Kater MANOLITO

Manolito kam ursprünglich aus Spanien und war eigentlich vermittelt. Avisiert war er als scheuer halbwilder Kater. Da es aber mit dem Zeitpunkt der Ankunft nicht so recht passte, musste er noch mal zwischengeparkt werden, was wir normalerweise konsequent vermeiden, besonders bei scheuen Katzen. Doch hier bewahrheitete sich folgender Spruch: Wer weiß, wofür es gut war. Genau. Heute wissen wir es, Manolito ist nicht sehr scheu, er ist ein echter Wildling, in Freiheit geboren und kaum Menschenkontakt gehabt, Katzenfängern ins Netz gegangen und über Kontakte spanischer Tierschützer ins Refugio gekommen - weil man dachte, er sei vermittelbar. In dem ganzen Stress und den vielen Tieren war das wohl bei ihm nicht so gut abschätzbar. Außerdem denkt man bei Siamkatzen immer automatisch, dass sie doch mal einen Besitzer gehabt haben müssen.

 

Nein, hatte dieser Kater ganz sicher nicht. Im Refugio war er kreuzunglücklich, das war das, was wir wussten. Also nun war Manolito bei uns, für eine Woche gedacht. Er blieb für immer. Er hat es selbst so entschieden. Nach einer guten Woche im Haus, in der sich sein Verhalten eher verschlimmerte als verbesserte da ahnten wir schon etwas...; er machte ein Riesentheater, wannimmer ein Mensch seinen Weg kreuzte, als sei der Teufel leibhaftig ihm begegnet, er versuchte zu attackieren, und vertragen mit anderen Katzen war auch nicht, ganz im Gegenteil, er griff alles und jeden an. Die Vermittlung sagten wir damals ab und waren selbst unschlüssig, wie das nun weitergehen sollte.

 

Manolito nahm uns die Entscheidung ab. Eines Tages, zu Beginn seiner zweiten Woche bei uns, frühmorgens, beschloss er wohl, dass er nicht in ein Haus gehört und zerdepperte kurz entschlossen die Katzenklappe und machte den Abgang in den Garten. Nach dem Aufstehen, als wir die Bescherung sahen, war eigentlich sofort klar, was passiert sein musste. Erlebt hatten wir sowas noch nie, aber es ist ja immer irgendwann mal das erste Mal. Die stabile Vierwege-Katzenklappe für große Katzen und kleine Hunde war durchbrochen worden. Sie ist generell so eingestellt, dass man jederzeit rein kann, wenn man möchte, für den Gang nach draußen braucht man dann einen menschlichen Türsteher. Mit Gewalt - heute sage ich aus übermächtiger Verzweiflung - hat er die Klappe durchbrochen, um wieder Freiheit zu erlangen. Eingesperrt im Refugio, dann die lange Reise, hier wieder eingesperrt - es muss für den Kater der Horror gewesen sein. Wenn man das nur in Spanien erkannt hätte. Meist tut man es, aber manchmal ist es eben schwer.

 

Egal, der Kater war nun weg, unsere Nerven am Ende. Würde er je wiederkommen? Wohin würde ihn sein Weg führen, würde er es irgendwie schaffen? Den Tränen nahe, was für ein Mist hier einem Tier geschehen war, bauten wir eine neue Klappe ein und liefen die ersten Tage laut seinen Namen rufend spätabends und in der Morgendämmerung durchs Dorf und galten wieder mal für irre. In der Hoffnung, dass er sich zumindest an unsere Stimme schon erinnern konnte und daran, dass es hier Futter gab. Nachts stellten wir an alle Ecken Unmengen von Futter hin, fütterten vermutlich alle Dorfkatzen durch, nur damit irgendwo was für ihn übrig bleiben würde.

 

Nach einer guten Woche stand er am Ende des Grundstücks, ganz weit unten, nur vom Balkon aus zu sehen. Das Herz macht automatisch einen Hüpfer, die Tränen rollen und man überlegt fieberhaft, was man nun am besten tut. Rausschleichen, frisches Futter unbemerkt ein stückweit ins Grundstück stellen, wieder nach oben rasen und vom Balkon aus Namen rufen - und sich dann unsichtbar machen, und dabei doch versuchen, was zu erspähen.

 

Manolito kam. Und fraß. Von da an kam er jeden Tag an diese Stelle. Oft wartete er schon im Gebüsch und wenn Futter kam und sein Name gerufen wurde, trabte er an, natürlich erst, wenn man weg war. In kleinsten Schritten über Wochen rutschte die Futterschüssel Meter für Meter weiter zum Haus hin. Er machte es mit. Und blieb. Wir waren unendlich erleichtert.

 

Dann kamen die Kämpfe. Er kannte ja unsere Freigänger-Wildlinge noch nicht, und die ihn auch nicht. Und natürlich bekamen die schnell mit, dass es vor dem Haus auch ncoh Futter gab und wollten da auch mitfuttern. Das gefiel Manolito gar nicht, mit Montezuma, Spikey, Whitey und auch mit Pit und Mausi gab es Riesentheater. Mit viel Geduld und Spucke, Ablenkungsmanövern, Antibiotikum unters Futter (na klar wurde er verletzt, hatte einen Riesenabzess etc.) haben wir es alle zusammen geschafft.

 

Manolito hat heute, bald ein Jahr später, wieder zu sich gefunden. Ein kluger stolzer Kater erwartet einen draußen, er spricht jetzt sogar mit einem :-))) das sind glückliche Momente, die man mit Worten gar nicht beschreiben kann. Er hat sich mit den anderen arrangiert, hat begriffen, wenn er will, kann er hier seinen Platz haben. Mit Pit und Mausi sowie mit Schecki ist er mittlerweile sogar gut Freund, und mit Ricki und Filou hat er vor zwei Wochen angefangen, zaghaft zu spielen.

 

Unser Manolito - ein Schrecken für Mensch und Tier mit glücklichem Ende für beide Seiten. Der Kater wird sich noch weiter entwickeln, und in ein paar Jahren wird er sich auch mal anfassen lassen. Ins Haus will er noch nicht wieder, aber auch das wird kommen. Und wenn heutzutage das Hackfleisch kommt, dann ist ein Kater namens Manolito plötzlich ein paar Zentimeter vor den Füßen :-))))

 

So kamen wir zu einem neuen Dauergast, der es liebt, die Einfahrt zu bewachen und es geschafft hat, sich wieder ein glückliches Leben zu erzwingen. Aber es ist auch wieder ein Mäulchen mehr zu stopfen. Und daher suchen wir für diese wunderbare Samtpfote, für die wir ganz viel Achtung und Zuneigung empfinden, liebe Menschen, die uns dabei helfen, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

 

Auf den Fotos sieht man noch, wie er anfangs draußen war: scheu und unglücklicher Blick, geduckte Haltung. Die letzten Fotos zeigen íhn aktuell - ein kesser frecher Blick, eine stolze Körperhaltung und - man will es ja nicht überbewerten - doch auch ein wenig Zutrauen zu Menschen.

 

Manolito sucht noch einen lieben Paten/in.

MANOLITO